Modelfotos

Veröffentlichung von Modenschau-Fotos ohne Modelrelease

Eine interessante Entscheidung zum Thema Veröffentlichungsrechte hat das Landgericht Düsseldorf gefällt.

(LG Düsseldorf, ZUM-RD 2003, 541).
Wie der Urheberrechts-Experte Dr.Daniel Kötz (www.koetzlaw.de) in der Zeitschrift VISUELL schildert, hatte ein Model an einer Straߟenmodenschau teilgenommen und dabei auch - unentgeltlich (warum auch immer das) - Dessous vorgeführt. Ein vom Veranstalter engagierter Fotograf machte Fotos davon und verkaufte später einige Fotos an den Hauptsponsor der Veranstaltung. Dieser (T-Online) veröffentlichte einige der Dessous-Fotos auf einer T-Online-Nachrichten-Website.
Interessant daran: das Foto, um das gestritten wurde, zeigt das Model in Groߟaufnahme ohne erkennbaren Hintergrund. Insofern kann das Model weder als Beiwerk angesehen werden noch handelt es sich im engeren Sinne um ein Bild einer Veranstaltung. Und eine ausdrückliche Zustimmung des Models zur Veröffentlichung gab es auch nicht.

Dennoch, so das LG Düsseldorf, war die Veröffentlichung erlaubt. Das Gericht befand, es habe eine "konkludente" (stillschweigende) Zustimmung zur Veröffentlichung gegeben. Wer an einem solchen Event teilnehme, wisse auch, dass er nicht nur fotografiert werde, sondern die Fotos auch veröffentlicht werden sollen. Außerdem sei es ja gerade um die Präsentation der Dessous gegangen, und das erfordere eine Groߟaufnahme.

Das Gericht stellte aber auch Grenzen klar: nicht zulässig wäre die Veröffentlichung für Werbezwecke gewesen oder z.B. im Rahmen allgemeiner Berichte in Zeitungen, in denen nicht Bezug auf die Veranstaltung genommen wird.

(Quelle: VISUELL 1/04; www.piag.de

Wie weit das auf irgendeine andere Situation übertragbar ist, kommt natürlich immer auf die Situation an. Ich interpretiere es so: wer für Geld bei einer bestimmten Veranstaltung modelt, muss damit leben, zumindest im weitesten Kontext mit dieser Veranstaltung auch veröffentlicht zu werden.

Denn das interessante an dem Urteil ist ja, dass die umstrittenen Fotos nicht direkt die Modenschau zeigten, sondern nur Model und Dessous, wie sie auf dieser Modenschau zu sehen waren. Insofern kann von einer direkten Berichterstattung über das Ereignis kaum noch geredet werden (dann wäre aber das Modelrelease eh überflüssig, denn zumindest bei einer Öffentlichen Modenschau sind die teilnehmenden Models, Designer usw. in diesem Zusammenhang Personen Öffentlichen Interesses, weil sie an einem Ereignis Öffentlichen Interesses teilhaben).

Aber auch die Veröffentlichung des "aufgenommenen Gegenstandes an sich" ist also zulässig - sofern jedenfalls nicht mit dem Foto direkt Werbung gemacht oder es völlig losgelöst vom ursprünglichen Ereignis gezeigt wird.

Ursula Rahman Stiftungsgala 25.10.2014, Kleider Rita Lagune, Fotograf Michael Weissenborn